Kinderpatenschaft,  World Vision

Kinderpatenschaft – nicht perfekt, aber richtig

Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. (Erich Kästner)

Ich habe  bei World Vision (Werbung unbezahlt) eine Patenschaft übernommen.
Irgendwohin Geld zu spenden, das dann in einer NGO verschwindet, war mir auf Dauer zu unpersönlich. Lange wehrte ich mich gegen eine Patenschaft, denn ich wollte auf keinen Fall das Klischee der großzügigen Spenderin, die einem armen Kind hilft, bedienen. Trotzdem bin ich immer wieder auf das Patenschaftsmodell zurückgekommen und habe jetzt Nägel mit Köpfen gemacht.

Warum ich mich für eine Patenschaft bei World Vision entschieden habe

World Vision ist eine christlich geprägte NGO, wobei die christliche Ausrichtung für mich nicht ausschlaggebend ist – ich bin nicht religiös. Die Gründe sind vielmehr, dass die Organisation mit hoher Transparenz arbeitet und dafür von Stiftung Warentest als vertrauenswürdig eingestuft wurde (Finanztest/25). „Unser oberstes Ziel ist es, das Leben von Kindern, Familien und Gemeinden in Not, nachhaltig zu verbessern“ schreibt World Vision auf ihrer Website.
Wer eine Patenschaft bei World Vision übernimmt, unterstützt nicht nur das Kind und seine Familie, sondern ein Projekt, das der gesamten Gemeinschaft zugutekommt. Ziel ist es, ein besseres Leben für die Menschen innerhalb des Projekts aufzubauen. Deswegen werden die Projektteilnehmer dahingehend geschult, dass sie in der Zukunft keine Unterstützung durch die NGO mehr benötigen. Projekte sind zwar über ein langen Zeitraum angelegt, damit die Projektteilnehmer Wissen erweben, um sich auch ohne Unterstützung von World Vision, eine gute Lebensgrundlage schaffen, beziehungsweise erhalten zu können. Von vorneherein sind die Projekte jedoch auf einen bestimmten Zeitraum begrenzt. Am Ende des Projekts wird dieses evaluiert und falls nötig verlängert. Ziel der Projekte ist es, Lebensbedingungen langfristig zu verbessern und die Menschen vor Ort so zu stärken, damit sie perspektivisch unabhängig von externer Hilfe werden.

Gegründet wurde World Vision 1950, und zwar von dem amerikanischen Missionar und Journalisten Robert Pierce. Auslöser für die Gründung war das Leid traumatisierter Waisenkinder im Koreakrieg. Pierce begann Spenden zu sammeln … Eine traurige Tatsache: Sein Engagement für die Waisenkinder führte, laut seiner Tochter Marilee Pierce Dunker dazu, dass er die eigene Familie vernachlässigte … (Wikipedia)

World Vision Deutschland wurde 1979 gegründet. Der Sitz ist in Friedrichsdorf bei Frankfurt.

Eine Patenschaft übernehmen

Ich informierte mich auf der Website von World Vision über die Übernahme einer Patenschaft. Auf besagter Seite wird ein Kind mittels eines Foto vorgestellt, das einen Paten/eine Patin sucht. Man erhält bewusst nur einen Patenschaftsvorschlag. So soll verhindert werden, dass Kinder nach dem Prinzip eines Katalogs ausgesucht werden. Nimmt man den Vorschlag an, kommt die Patenschaft direkt zustande. Alternativ haben Interessierte die Möglichkeit, sich über ein, auf der Patenseite integriertes Formular, ein Patenkind vom World-Vision-Team empfehlen zu lassen. Über diese Funktion kann der zukünftige Pate/die Patin, das Geschlecht und das Land des Patenkindes wählen. Ich akzeptiere den Vorschlag, der auf der Website angezeigt wird, und entscheide mich damit für Tamim – einen vierjährigen Jungen aus Bangladesch.

Bangladesch liegt in einer Weltregion, die mir völlig unbekannt ist, und auf mich eine gewisse Faszination ausübt. Bisher fehlte mir der Mut, einen Fuß in diese Region der Welt zu setzen. Mit der Patenschaft gehe ich einen kleinen, machbaren Schritt Richtung Südasien und durch World Vision hoffe ich, einiges über das Leben der Menschen dort zu erfahren.

Contra Patenschaftsmodell und mein Pro

An der Stelle hier mal die Contra-Patenschaftspunkte, die ich so im Netz zum Thema gefunden habe und mein Pro zum jeweiligen Punkt:

Keine Direktspende – das Geld geht nicht an das jeweilige Patenkind, sondern kommt der Gemeinschaft in der das Kind lebt, zu Gute.
Diese, als Negativpunkt beschriebene Vorgehensweise von World Vision sehe ich als Pluspunkt. Würden nur einzelne Kinder mit ihren Familien von Paten unterstützt werden, käme es zu Neid und Missgunst unter den Projektmitgliedern. Die Kinder hätten, aufgrund der Zuwendung, einen Sonderstatus. Ein solches Projekt würde ich nicht unterstützen. World Vision kommuniziert offen auf der Website, dass die Spenden in Gemeinschaftsprojekte fließen.

Marketing mit Kindern, um Spenden zu akqurieren.
World Vision wirbt überwiegend mit Projekten, aber natürlich ist das Geschäftsmodell auf Kinderpatenschaften aufgebaut. Mit der Privatsphäre der Kinder geht die Organisation sehr respektvoll und umsichtig um. Meine Meinung: Mit dem Geld wird soviel Gutes für die Kinder und ihre Familien bewirkt, dass die positiven Aspekte bei weitem überwiegen.

Hohe Verwaltungskosten
Ein Teil der Spenden fließt, wie bei jeder Organisation, in Marketing und Verwaltung.
Daran lässt sich wohl nichts ändern, hält sich jedoch bei World Vision in einem absolut akzeptablen Rahmen. HIER kannst du nachlesen, wie World Vision mit den Einnahmen und Ausgaben umgeht.

White Saviorism
Als White Saviorism wird die Haltung von wohlhabenden Menschen aus westlichen Ländern, die sich als Retter von Menschen aus ärmeren Regionen inszenieren. Die Hilfe dient in diesem Kontext der eigenen Selbstdarstellung und um sich selbst ein gutes Gefühl zu geben. Im Zusammenhang mit Kinderpatenschaften wird bemängelt, dass Kinder als passive Empfänger dargestellt werden und eine Ungleichheit zwischen Hilfsbedürftigem und Helfendem entsteht. Den Vorwurf des White Saviorism nehme ich ernst. Gleichzeitig gibt es Aspekte am World-Vision-Modell, die ich differenziert sehe:
Wie bereits erwähnt, arbeitet World Vision in langfristigen Projekten und gemeinschaftsorientiert. Unterstützt werden nicht einzelne Kinder, sondern die Gemeinschaft. Und zwar dort, wo Unterstützung am dringendsten benötigt wird, wie zum Beispiel in Bildung, Gesundheitsvorsorge und Infrastruktur. Außerdem – und das ist für mich der überzeugenste Punkt – leistet World Vision Hilfe zur Selbsthilfe.

Ich denke eine Patenschaft bei World Vision ist eine gute Sache und ich möchte als Patin Teil dieser Organisation sein. Die Patenschaft sehe ich als Win-Win-Situation: Ich unterstütze mit meiner Spende Menschen, die nicht das Glück hatten, in einem reichen westlichen Land zur Welt zu kommen. Dafür bekomme ich einen Einblick in das Leben in einem fremden Land, das ich bisher noch nicht kennenlernen durfte.

Die Entscheidung eine Patenschaft zu übernehmen, habe ich nicht getroffen, weil sie perfekt ist, sondern weil sie sich trotz Widersprüchen richtig anfühlt. Möglicher Gewinn: ein anderer Blick auf die Welt und womöglich auch auf das eigene Leben …

Hast du selbst Erfahrungen mit Patenschaften, freiwilligem Engagement oder Begegnungen gemacht, die deinen Blick auf die Welt verändert haben?“ Lass es mich gerne wissen!

Beitragsfoto „Die Welt unterm Arm“, KI-generiert

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