Baden-Württemberg,  Deutschland

Streifzug durch Weil der Stadt

Nett hier, aber waren Sie schon mal in THE STÄDT?
(aus einer Weil der Städter Pressemittelung)

Sodele, heut´ nehme ich dich mit in meine schwäbische Heimat im Ländle (Baden-Württemberg) – nach Weil der Stadt, die auch als Tor zum Schwarzwald bezeichnet wird. Die Kleinstadt setzt sich aus fünf Stadtteilen zusammen: aus der Kernstadt sowie den Stadtteilen Merklingen, Münklingen, Hausen und Schafhausen. Aufgewachsen bin ich in der Kernstadt, später lebte ich über 30 Jahre im Stadtteil Schafhausen, den meine Kinder, weniger liebevoll, Schafsdreckscity tauften. Für junge Leute war Schafhausen tatsächlich nicht gerade der optimale Ort um sich auszutoben. Jeder kennt jeden und alle jugendlichen Schandtaten treten irgendwann ans Tageslicht. Dafür schien Schafi fürs Alter ideal – dachte ich. Doch dann verschlug´s mich – Trommelwirbel – kurz vor der Rente ins turbulente Stadtleben, nach Karlsruhe. Jetzt bin ich eine Italo-Schwäbin unter lauter Badenern – des isch au net emmer oifach … 😉
Manchmal plagt mich ein bisschen das Heimweh und deshalb gibts jetzt eine kleine Hommage an den Ort, wo meine Wiege stand.

Das Wahrzeichen von Weil der Stadt ist die beeindruckende, im gotischen Stil erbaute Kirche Sankt Peter und Paul (siehe Beitragsfoto). Mein Urgroßvater Gustav, den ich noch zu Lebzeiten kennenlernen durfte, sagte immer, er möchte nur so weit von der Stadt entfernt sein, dass er noch den Kirchturm sehen kann. Das war schon etwas seltsam, weil er noch nicht mal ein echter Weil der Städter war. Anscheinend war seine Integration vollendet gelungen.
Auch für mich spielte das imposante Bauwerk in meiner Kindheit eine tragende Rolle. Meine Eltern schickten mich und meinen Bruder sonntagmorgens zum Gottesdienst – schließlich wollten sie auch mal ein bisschen sonntägliche Ruhe genießen. Jeden Sonntag schaute ich zum Kirchturm hoch und überlegte: Den Gottesdienst schwänzen oder lieber nicht? Den Zorn Gottes erwartete ich nicht, wenn ich dem Gottesdienst fernblieb, aber den Groll meines Vaters. Also blieb`s bei der Überlegung …

Nicht nur, dass alle Wege nach Rom führen, römische Wurzeln bahnten sich auch ihren Weg direttamente nach Weil der Stadt 😉
Gegründet wurde Weil der Stadt unter dem Namen Wila (römischer Landsitz – villa rustica) wahrscheinlich im 6. Jahrhundert.
Das Foto zeigt das römische Stadtwappen mit den Buchstaben SPQR – Senatus Populusque Romanus (Senat und Volk von Rom).

Bekannt ist die Stadt durch ihren berühmten Sohn, den Astronomen und Mathematiker Johannes Kepler. Der purzelte Anno 1571 mitten im Städtle ins Leben.
Seit Ende 2021 – pünktlich zu Keplers 450. Geburtstag – darf sich Weil der Stadt offiziell Keplerstadt nennen.

Während der Marktplatz-Umbauphase im Jahr 2020 thronte Kepler, mit einem Bauhelm auf dem Kopf, auf seinem Denkmal. Im Zuge des Umbaus wurde das Denkmal versetzt. Kepler bekam einen neuen Platz am Rande des Marktplatzes zugewiesen. Die Bürgerschaft stand Kopf: Wie konnten die Stadtväter so einen Frevel zulassen? Mittlerweile haben sich die Wogen geglättet und Kepler schaut zufrieden auf die Feste und Aktionen, die seit dem Umbau auf dem Marktplatz stattfinden.

Das Foto zeigt mich als Fünfjährige vor dem Kepler-Denkmal. Den, in die kleinen Erker eingelassenen Gelehrten, gehörte meine ganze Sympathie. Ach, ihr schlauen Astronomen, Physiker und Mathematiker, warum nur habt ihr mich während meiner Schulzeit so sträflich versetzt?! 😉

Hier siehst Du das Rathaus am Marktplatz mit dem Oberen Marktbrunnen, den Kaiser Karl der V. in Beschlag nimmt. Allerdings ist es nicht sicher, ob es sich bei der Statue wirklich um Karl den V. handelt. Gehen wir halt mal davon aus …

Wenn es einen Oberen Marktbrunnen gibt, dann gibts auch einen Unteren Marktbrunnen. Den ziert ein Löwenkopf, der mit dem Adlerschild die Reichsstadt bewacht (nicht abgebildet).
Insgesamt befinden sich 35 Brunnen in Weil der Stadt. Auf dem Foto siehst du den Wasserspeier am Klosterbrunnen.

Die gut erhaltene Stadtmauer mit ihren Türmen (hier der Storchenturm) vermittelt mittelalterliches Flair. Allerdings ist Weils Geschichte nicht durchgängig eine fröhliche. Auch in Weil der Stadt wütete die Inquisition. All das, was die Vergangenheit sonst noch an Düsternis zu bieten hatte, ist in die Geschichte der Stadt eingebrannt. Heute ist Weil der Stadt ein charmantes Städtchen, das sich ständig weiterentwickelt.

Ahh, fast hätte ich es vergessen: Weil der Stadt ist Fasnetshochburg. Die alemannische Tradition zieht jedes Jahr Tausende von Besuchern aus Nah und Fern an. Regelmäßig am 11.11. um 11. Uhr 11 schallt ein dreifach kräftig donnerndes AHA durch die Stadt und lässt die Stadtmauern erbeben. Doch Leute, die den Karneval, den Fasching oder die Fastnacht lieben, seien gewarnt: In Weil der Stadt tobt nur und ausschließlich die WEILER FASNET – kein Fremder sollte hier jemals etwas anderes behaupten – das ahndet das Narrengericht nämlich gnadenlos … 😉


Falls Du noch mehr über die Geschichte der Stadt erfahren möchtest, dann HIER lang.

Gibt es einen Ort, der dich nie ganz los lässt? Schreibs mir in die Kommentare!

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